Die Entwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung

In dem heutigen Beitrag geht es um die Entwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Leistungen, wie auch die Krankenversicherungsbeiträge, der gesetzlichen Krankenversicherung waren die letzten Jahrzehnte alles andere als stabil und berechenbar. Leistungen wurden über Gesetzesänderungen eingeschränkt, die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung jedoch trotz dieser Kostendämpfungsmaßnahmen ständig erhöht.

Hier daher mal eine Übersicht über die wesentlichen Änderungen aus dem Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die gesetzliche Krankenversicherung von gestern bis heute…

mit allen Leistungsänderungen der gesetzlichen Krankenversicherung seit 1982

1982 – das Kostendämpfungsgesetz:

Arzneimittel: Erhöhung der Selbstbeteiligung je Arzneimittel von 1,00 DM auf 1,50 DM

Heilmittel: Erhöhung der Selbstbeteiligung je Heilmittel von 2,00 DM auf 4,00 DM

Sehhilfen: Bei gleicher Sehschärfe Bezug nur noch alle drei Jahre

Zahnersatz: weiterhin 100% Honorar, jedoch Kürzung der Laborkosten von 80% auf 60%

1982 – Haushaltsbegleitgesetz

Arzneimittel: Erhöhung der Selbstbeteiligung je Mittel von 1,50 DM auf 2,00 DM. Bagatell-Arzneien, wie z.B. gegen Erkältung wurden ausgeschlossen.

Krankenhaus: Einführung einer Selbstbeteiligung von 5,00 DM pro Tag für max. 14 Tage im Kalenderjahr.

Rentner: Abschaffung der kostenlosen Krankenversicherung. Alle pflichtversicherte Rentner müssen erstmals einen Teil ihres Beitrags selbst zahlen (von der Rente bzw. vergleichbaren Versorgungsbezügen).

1984 – Haushaltsbegleitgesetz

Beiträge: Einmalzahlungen (z.B. Urlaubs- und Weihnachtsgeld) werden jahresanteilig berücksichtigt und dadurch verstärkt in die Beitragspflicht einbezogen.

Krankengeld: Kürzung um Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung

1989 – Gesundheits-Reformgesetz (GRG)

Arzneimittel: Begrenzung auf Festbeträge; für Medikamente ohne Festbetrag Erhöhung der Selbstbeteiligung von 2,00 DM auf 3,00 DM.

Fahrtkosten: Einschränkung bei ambulanten Fahrten und Einführung einer Selbstbeteilugung von 20,00 DM für stationäre Fahrten.

Heilmittel: Erhöhung der Eigenbeteiligung von bisher 4,00 DM je Mittel auf 10% der Gesamtkosten.

Hilfsmittel: Begrenzung auf Festbeträge

Rentner: Verschärfung der Vorversicherungszeit: Pflichtmitgliedschaft in der günstigen Rentnerkrankenversicherung (KVdR) nur noch für die Rentner, die in der Zeit von der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zur Rentenantragsstellung mindestens 9/10 der zweiten Lebensarbeitshälfte (freiwillig oder pflichtig) GKV- versichert waren.

Sehhilfen: Für Gestelle nur noch 20,00 DM Zuschuss, für Gläser Begrenzung auf Festbeträge, neue Gläser nur noch bei Änderung der Sehschärfe um mindestens 0,5 Dioptrien, Kontaktlinsen nur noch in medizinisch zwingend begründeten Ausnahmefällen.

Sterbegeld: Wegfall für Neuversicherte; Kürzung auf 2.100,00 DM für Versicherte bzw. 1.050,00 DM für Familienversicherte.

Zahnersatz: Minderung von 100% auf 50% für das Honorar und von 60% auf 50% für die Laborkosten, Einführung eines Bonus von 10% für regelmäßige Vorsorge.

1993 – Gesundheits-Strukturgesetz (GSG)

Arzneimittel: Ausdehnung der Selbstbeteiligung auf alle Arzneimittel, also auch auf die mit Festbetrag; gleichzeitige Erhöhung der Selbstbeteiligung – gestaffelt nach Abgabepreis, später nach Packungsgröße – auf 3,00 DM, 5,00 DM und 7,00 DM.

Krankenhaus: Erhöhung der Selbstbeteiligung von 5,00 DM auf 12,00 DM (neue Bundesländer 9,00 DM) für maximal 14 Tage im Kalenderjahr.

Rentner: Erneute Verschärfung der Vorversicherungszeit: Pflichtmitgliedschaft in der günstigen KVdR nur noch für Rentner, die mindestens 9/10 der zweiten Lebensarbeitshälfte GKV-pflichtversichert waren. Damit ist die beitragsgünstige KVdR für fast alle freiwilligen Mitglieder (insbesondere Selbstständige, Beamte oder höherverdienende Arbeitnehmer) nicht mehr möglich. Beiträge werden jetzt nicht mehr nur von der Rente bzw. vergleichbaren Versorgungsbezügen sondern von allen Einnahmen (z.B. auch Mieten und Zinsen) bis zur Beitragsbemessungsgrenze erhoben.

01.07.1997 – Beitragsentlastungsgesetz

Krankengeld: Kürzung von 100% des Nettoeinkommens auf 90% bzw. von 80% des Bruttoeinkommens auf 70% (Kürzung des Höchstkrankengelds von 80% der Beitragsbemessungsgrenze auf 70%).

Sehhilfen: Wegfall des Zuschusses für Brillengestelle.

01.07.1997 – 1. und 2. Neuordnungsgesetz

Arzneimittel: Erhöhung der Eigenbeteiligung um 5,00 DM – je nach Packungsgröße – auf 9,00 DM, 11,00 DM oder 13,00 DM.

Fahrtkosten: Erhöhung der Eigenbeteiligung von 20,00 DM auf 25,00 DM.

Heilmittel: Erhöhung der Eigenbeteiligung von 10% auf 15%.

Hilfsmittel: Einführung einer Eigenbeteiligung von 20% für Bandagen, Einlagen und Hilfsmittel zur Kompressionstherapie.

Krankenhaus: Erhöhung der Selbstbeteiligung von 12,00 DM auf 17,00 DM (alte Bundesländer) und von 9,00 DM auf 14,00 DM (neue Bundesländer) für max. 14 Tage im Kalenderjahr.

Zahnersatz: Kürzung von 50% auf 45% bzw. mit Bonus von 60% auf 55%.

1998 – Nächste Stufe des 2. Neuordnungsgesetzes

Zahnersatz: Abschaffung der prozentualen Beteiligung und Einführung von Festzuschüssen; damit größere Flexibilität aber höhere Eigenbeteiligung für die höherwertige Versorgung.

1999 – Solidaritätsstärkungsgesetz

Arzneimittel: Reduzierung der Eigenbeteiligung je nach Packungsgröße von 8,00 DM, 9,00 DM oder 10,00 DM.

Zahnersatz: Abschaffung der Festzuschüsse und Wiedereinführung der prozentualen Beteiligung auf dem Stand vor dem 01.07.1997 (50% bzw. mit Bonus 60%), zusätzlicher Bonus von 5%-Punkten nach 10-jähriger Vorsorge; nach 1978 Geborene erhalten wieder die gleichen Leistungen wie alle anderen Versicherten.

2000 – Gesundheitsreform 2000

Beiträge: In den neuen Bundesländern Beitragserhöhung am 2001 um bis zu 180,00 DM monatlich (Angleichung der Beitragsbemessungsgrenze BBG an Westniveau).

2004 – GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) 2004

Arztbesuch: Erstmalig wird eine Praxisgebühr von 10,00 EUR eingeführt: gilt für jede erste Inanspruchnahme pro Quartal, die nicht auf Überweisung beruht (Ausnahmen: Vorsorgeuntersuchungen und Kontrolluntersuchungen).

Arzneimittel: Erhöhung der Zuzahlung auf 10% (mindestens 5,00 EUR und maximal 10,00 EUR); nicht verschreibungspflichtige Medikamente werden grundsätzlich nicht mehr erstattet.

Hilfsmittel: Zuzahlungen jetzt für sämtliche Hilfsmittel – also auch für Krankenfahrstühle, etc. – 10% der Kosten, mindestens 5,00 EUR und maximal 10,00 EUR; darüber hinaus gelten die Festbeträge weiter.

Heilmittel: Zuzahlung beträgt 10% je Mittel (Fango, Massagen, etc.) plus 10,00 EUR je Verordnung.

Krankenhaus: Eigenbeteiligung wird auf 10,00 EUR für max. 28 tage je Kalenderjahr heraufgesetzt (vorher: 9,00 EUR für 14 Tage).

Sehhilfen: Für Erwachsene Wegfall der Leistungen für Brillen und Kontaktlinsen (Ausnahme: schwer Sehbeeinträchtigte).

Sterbegeld: Das Sterbegeld wird ersatzlos gestrichen.

Rentner: Pflichtversicherte Rentner in der KVdR zahlen auf Versorgungsbezüge den vollen Beitragssatz (bislang den halben), Kapitalleistungen daraus werden mit 120stel über 10 Jahre verteilt verbeitragt.

Fahrkosten: Ambulante Fahrtkosten werden grundsätzlich nicht mehr erstattet.

Zahnersatz: Ab 2005 wird für Zahnersatz nur nich ein befundbezogener Festzuschuss gezahlt.

sonstiges: Ab dem 01.07.2005 Wegfall der paritätischen Beitragszahlung; ab dann hat jedes GKV-Mitglied einen zusätzlichen Beitragssatz von 0,9& alleine zu entrichten (ohne Arbeitgeber-Beteiligung!).

2007 – GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG), unter anderem…

Leistungen: Regressmöglichkeiten der Krankenkassen zur Leistungsbeschränkung für selbst verschuldete Behandlungsbedürftigkeit, z.B. bei Komplikationen nach Schönheits-OP’S, Piercing oder Tätowierung.

Arzneimittel: “Teure” Arzneimittel können erst nach Einholung einer ärztlichen Zweitmeinung verordnet werden.

Zuzahlungen: Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze für chronisch Kranke grundsätzlich bei nicht regelmäßiger Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen.

2009 – GKV-Wettbewerbsgesetzes

Über diese Änderungen habe ich in einem eigenen Blog-Beitrag bereits berichtet, so dass ich hier auf weitere Ausführungen verzichte. Hier zum Artikel: Die Gesundheitsrefom nähert sich

Ihr

Siegmar Bührle

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  • Valentine Slates 29. November 2011, 15:43

    Vielen dank für den super Artikel ich bin Transporter fahrer und hab dehalb kaum zeit .

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