Ökotest zu Direktversicherungen ist Irreführung der Öffentlichkeit

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (Berlin) geht mit einer aktuellen Pressemitteilung wieder gegen eine Analyse von Ökotest vor. In den aktuellen Ausgabe von Ökotest – mir liegt das Heft leider nicht vor – wird behauptet, dass sich Direktversicherungen angeblich nicht lohnen sollen, da die Renditen zu niedrig seinen.

Diese Aussage lässt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. jedoch nicht so stehen. Hier die Stellungnahme des Geschäftsführer “Lebensversicherung” Peter Schwark:

„Die von Ökotest durchgeführten Berechnungen basieren auf falscher Methodik und falschen Annahmen und führen deshalb zu falschen Ergebnissen. Damit wird ein nachweislich effektives Produkt der betrieblichen Altersversorgung diskreditiert und viele Arbeitnehmer verunsichert und in die Irre geführt.

Die wichtigsten methodischen Fehler von Ökotest im Überblick:

  • Die von Ökotest zugrunde gelegten Lebenserwartungsannahmen des Statistischen Bundesamtes sind für die Lebensversicherung zu niedrig: Zum einen ist die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten deutlich stärker gestiegen als vom Statistischen Bundesamt prognostiziert – unter anderem wegen des enormen medizinischen Fortschritts. Zum anderen müssen Lebensversicherer im Unterschied zum Statistischen Bundesamt vorsichtig und mit Sicherheitsmargen rechnen, weil sie Rentenfaktoren von bis zu 60 Jahren und mehr garantieren. Außerdem müssen die Versicherer in ihrer Kalkulation berücksichtigen, dass Rentenverträge freiwillig überwiegend von Menschen abgeschlossen werden, die von einer mindestens normalen Lebenserwartung ausgehen (sog. Anti-Selektion).
  • Die gesetzlich vorgeschriebene Überschussbeteiligung der Versicherten an allen Risikoüberschüssen bleibt in den Berechnungen von Ökotest – entgegen anderslautender Behauptung – unberücksichtigt. Dieser Fehler in der Analyse erklärt, warum die von Ökotest berechneten Renditen für die Rentenphase etwa 1 Prozentpunkt niedriger ausfallen als für die Ansparphase.
  • Ein weiterer methodischer Fehler von Ökotest besteht darin anzunehmen, die Bundesbürger könnten durch das regelmäßige Kaufen von Bundesanleihen einen sicheren Zins nach Kosten von 4,45 Prozent erwirtschaften. Diese Annahme ignoriert nicht nur die Kosten, die damit verbunden sind, Monat für Monat bei der Hausbank für z. B. 50 Euro Bundesanleihen zu ordern. Verkannt wird auch, dass das Zinsniveau stark schwankt. Noch 2005 lag das Zinsniveau bei nur 3 Prozent. Demgegenüber bieten Lebensversicherungen eine unerreichte Kalkulationssicherheit.
  • Ökotest unterstellt unbegründeter Weise einfach eine über die nächsten 30 Jahre konstante Überschussbeteiligung auf heutigem Niveau. Dass künftig infolge der gestiegenen Zinsen auch wieder höhere Überschüsse erwirtschaftet werden können, wird ausgeblendet. Ebenso bleibt unberücksichtigt, dass Lebensversicherer zudem nicht nur in Bundesanleihen, sondern zu erheblichen Anteilen auch in renditestärkere Unternehmensanleihen und Aktien investieren.
  • Ökotest übersieht, dass die Zinserträge von Anleihen laufend besteuert werden. Die steuerlich viel günstigere Situation von Direktversicherungen unterschlägt Ökotest vollständig. Entscheidend aus Sicht des Versicherten ist jedoch die Nachsteuerrendite.

Der aktuelle Test zu Direktversicherungen ist ganz offensichtlich ein erneuter Versuch von Ökotest, seine Stellung im Markt der Finanztests mit reißerischen Testergebnissen auf Basis unseriöser Methoden zu stärken. Bereits in der Vergangenheit hatte der GDV die untauglichen Methoden kritisiert, mit denen Ökotest versuchte, Renditen von Rentenversicherungen zu berechnen (vgl. dazu GDV-Presseerklärung vom 25. Juli 2008).

Der GDV fordert Ökotest deshalb erneut auf, seine Methoden künftig in Fachbeiräten gegenüber Praktikern und Branchenexperten zur Diskussion zu stellen. Bis dahin empfiehlt der GDV seinen Mitgliedsunternehmen, eine Testteilnahme davon abhängig zu machen, dass die Testmethodik zur eigenen fachlichen Prüfung offengelegt wird.“

Wie Umfragen ergeben haben steht fest, dass der Großteil der Bürger die private Altersvorsorge als zwingend erforderlich ansehen. Ich finde es gut und richtig, dass kritische Meinungen zu einzelnen Produkten (Autos, Lebensmittel, Versicherungen, etc.) ausgetauscht werden. Was mich jedoch stört ist, dass es nicht auf einer fachlichen Ebene stattfindet. Durch zum Teil fachlich falsche Berichte werden sehr viel Verbraucher verunsichert und das zum Teil zu unrecht!

Ich kann Ihnen an dieser Stelle nur empfehlen, dass Sie sich selbst umfassend über die bei Ihnen aktuell anstehenden Themen (Baufinanzierung, Kapitalanlage, Versicherung, Autokauf, etc.) ein Bild machen. Hinterfragen Sie Aussagen von Produktanbieter – aber verlassen Sie sich auch nicht auf Aussagen eines Fachmagazins.

Informieren Sie sich, dass Sie selbst in der Lage sind, sich ein umfassendes Gesamtbild zu machen. Klären Sie vor Vertragsabschluss auf jeden Fall ALLE Fragen mit Ihrem Versicherungsmakler oder Mehrfachagenden – dafür werden diese Berater bezahlt.

Ihr

Siegmar Bührle

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