die Party geht weiter: Detailanalyse offenbart unverantwortliche Stümperei bei Öko-Test

Ich hatte im Blog bereits mehrfach über Analysen von Öko-Test zu Finanzthemen berichtet. Regelmäßig werden diese vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. ( www.gdv.de ) attackiert und als Mangelhaft befunden. Öko-Test scheint das ganze “kalt” zu lassen und analysiert und berichtet ständig weiter über Finanzthemen.

Die Party geht nun weiter. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. hat nun in einer aktuellen Pressemitteilung die Kritikpunkte im einzelnen Aufgegriffen und in einer Detailanalyse die Fehler aufgezeigt. Sie sprachlichen Ausdrücke, wie z.B. “… Stümperei der Testverantwortlichen …” ist kaum noch zu überbieten. Da ich Ihnen das ganze jedoch nicht vorenthalten möchte, hier wieder der Auszug:

Detailanalyse offenbart unverantwortliche Stümperei bei Öko-Test
Bereits in der letzten Woche hat der Gesamtverband der Deutschen Ver-sicherungswirtschaft (GDV) den mangelhaften Pensionskassentest der Zeitschrift Öko-Test kritisiert. Die mittlerweile durchgeführte Detailanalyse offenbart ein unverantwortliches Maß an Stümperei der Testverantwortli-chen. Die Kritikpunkte sind ausführlich in der beigefügten Detailanalyse dargestellt.

Im Ergebnis werden die von Ökotest errechneten angeblichen Renditen für die Wettbewerbspensionskassen deutlich zu niedrig und für die anderen Pensionskassen deutlich zu hoch ausgewiesen. Der Fehler liegt wesentlich in einer unzureichenden Berücksichtigung der unterschiedlichen Kalkulationsgrundlagen – mit entsprechenden Effekten auf die Über-schussbeteiligung und insbesondere auf die unter den Testannahmen zu erwartenden Risikogewinne oder -verluste. Auch die Berechnung des Al-ters, das angeblich erreicht werden müsse, um eine „angemessene Ren-dite“ zu erreichen, erfolgt auf der Basis unrealistischer Vergleichswerte.

Nach den Tests zu Basisrenten und Direktversicherungen diskreditiert Öko-Test nun völlig zu Unrecht die vorsichtige Kalkulation der Wettbe-werbspensionskassen.

Der GDV fordert Öko-Test nochmals zu einer selbstkritischen Reflektion der Testkonzeption auf und rät dringend zur Zuhilfenahme externen Sach-verstands. Die fehlerhaften Ergebnisse der Tests zu Basisrenten, Direkt-versicherungen und Pensionskassen müssen von Ökotest entweder zu-rückgezogen oder auf versicherungsmathematisch unzweifelhafter Basis korrigiert werden.

Ansprechpartner:
Ulrike Pott
Tel.: 030 / 20 20 – 51 10
E-Mail: u.pott@gdv.de

Hier nun die Detailanalyse des Pensionskassentest von Öko-Test, Heft 10/2008

1. Die von Ökotest für die Renditeberechnung zugrunde gelegten Lebenserwartungs-annahmen des Statistischen Bundesamtes sind für die Kalkulation von freiwillig abzu-schließenden Renten- oder Pensionskassenversicherungen zu niedrig:

  • Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahrzehnten stärker gestiegen als vom Statistischen Bundesamt auch in seinen Generationentafeln unterstellt. Zudem müssen die Anbieter im Unterschied zum Statistischen Bundesamt mit Sicherheitsmargen rechnen, um Rentenfaktoren über Jahrzehnte garantieren zu können
  • Anbieter von Rentenversicherungen müssen in ihrer Kalkulation berücksichtigen, dass Rentenversicherungsverträge freiwillig abgeschlossen werden. Die meisten Kunden schließen Rentenversicherungen nur ab, wenn sie von einer mindestens normalen Lebenserwartung ausgehen.

Der Folgefehler: Da Öko-Test unterstellt, die Lebenserwartung der Versicherten sei niedriger als von den Versicherern kalkuliert, würde das dann überschüssige Geld über die Überschussbeteiligung rentenerhöhend wirken. Das lässt Öko-Test aber unberücksichtigt.

2. Dieser Fehler ist besonders gravierend, wenn Anbieter mit unterschiedlichen Sterbetafeln untereinander verglichen werden. Während regulierte Pensionskassen mit den sog. Heubeck-Sterbetafeln und damit niedrigeren Lebenserwartungen kalkulieren, rechnen die Wettbewerbspensionskassen mit den vorsichtigeren Sterbetafeln der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).
Schlimmer ist noch, dass sämtliche Pensionskassen mit angeblich hohen „Garantierenditen“ tatsächlich gar nicht – wie von Öko-Test fälschlicherweise angenommen – mit den aktuellen Generationentafeln „Heubeck 2005G“ rechnen, sondern auf der Basis der veralteten Periodentafeln „Heubeck 1998“. Letztere unterstellen nicht nur deutlich kürzere Lebenserwartungen, sondern berücksichtigen auch noch nicht den Effekt, dass die Lebenserwartung je nach Jahrgang unterschiedlich ist. Die unterstellte Lebenserwartung liegt folglich vor allem bei Jüngeren deutlich unter der Rentenlaufzeit, die Öko-Test selbst zur Berechnung der vermeintlichen „Rentenrendite“ unterstellt.

Diese Pensionskassen sind also gemessen an den Maßstäben von Öko-Test unterreserviert. Die entsprechenden Risikoverluste hätten bei einem Vergleich zwingend eingerechnet werden müssen. Ein derartiger Fehler ist für die logische Unmöglichkeit verantwortlich, dass die deregulierte Selbsthilfe Pensionskasse der Caritas für jüngere Versicherte angeblich eine garantierte Rendite von bis zu 2,64 % nach Kosten erreichen können soll. Dabei rechnet sie nur mit einem Rechnungszins von 2,25 % vor Kosten.

Da die tatsächliche Entwicklung der Lebensdauer alle Anbieter in ähnlicher Weise treffen wird, hätte ein sachlich fundierter Test umgekehrt bei den Anbietern mit den vor-sichtigeren DAV-Tafeln erhebliche Risikogewinne, d. h. Leistungserhöhungen, unterstellen müssen. Die entsprechenden Wirkungen auf die Überschussrenten wurden jedoch ebenso nicht eingerechnet, so dass deren „Rentenrendite“ wie schon bei den Tests der Direktversicherungen und Basisrenten der jüngsten Vergangenheit deutlich zu niedrig ausgewiesen wird.

3. Unverständlich bleibt, warum Öko-Test trotz Beratung durch einen Versicherungsmathematiker selbst nicht in der Lage ist zu erläutern, warum unterschiedliche Sterbetafeln für die Todesfall- und die Rentenversicherung erforderlich sind. Dabei handelt es sich um versicherungswissenschaftliches Grundlagenwissen. Stattdessen wird diese auf je umgekehrt wirkenden Selektionseffekten und Sicherheitspuffern beruhende versicherungstechnische Selbstverständlichkeit von Öko-Test als „Kuriosität“ bezeichnet.

4. Öko-Test unterstellt, dass man alternativ zur Pensionskassenvorsorge durch das regelmäßige Kaufen von Bundesanleihen über 30 und mehr Jahre ohne Weiteres eine „angemessene Verzinsung“ von 4,45 % erzielen könne. Öko-Test übersieht dabei, dass auch für Alternativanlagen Kosten, Steuern und Zinsunsicherheiten berücksichtigt werden müssen. Der Benchmarkzins ist folglich unrealistisch:

  • Es verursacht erheblichen Aufwand, Zeit und Kosten, mit geringen Beiträgen monatlich wechselnde Bundesanleihen zu ordern und die zurückfließenden Kleinbeträge aus Zinscoupons und frei werdenden Anleihen stetig wieder neu anzulegen.
  • Das Zinsniveau schwankt. Noch 2005 lag das Zinsniveau bei nur 3 %. Bundesschatzbriefe, die auch in kleinen Stückelungen geordert werden können, bringen derzeit über 6 Jahre etwa 3,7 %. Da die Zinserträge jedoch um die 25-prozentige Abgeltungssteuer zu reduzieren sind, liegt eine realistische Benchmarkrendite bei unter 2,8 % nach Steuern. Eine Berechnung mit diesem realistischeren Referenzzins käme wegen der großen Hebeleffekte über lange Zeiträume zu erheblich anderen Werten als Öko-Test.
  • Ein Referenzzins von 4,45 % nach Kosten und Steuern wäre nur möglich, wenn das allgemeine Zinsniveau auf über 6 % steigt. Dieses Zinsniveau gab es seit 1995 nicht mehr. Bei einem derartigen Zinsanstieg würden zeitverzögert natürlich auch die Überschussbeteiligungen deutlich erhöht werden können, was bei Prognosezeiträumen von Jahrzehnten einzurechnen wäre.

5. Regulierte Pensionskassen verwenden höhere Rechnungszinsen als deregulierte Pensionskassen, die nur den gesetzlich vorgeschriebenen Höchstrechnungszins von 2,25 % verwenden dürfen. So rechnet die regulierte Dresdener Pensionskasse mit 2,75 %. Dadurch ergeben sich automatisch höhere „Garantieleistungen“.

Die höheren „Garantieleistungen“ sind jedoch hier gerade kein Indikator für die Leistungsfähigkeit der beteiligten Kassen. Sie machen vielmehr das unterschiedliche auf-sichtsrechtliche Sicherheits- und Vorsichtsniveau von regulierten und deregulierten Pensionskassen deutlich. Ein Unterschied, der von Finanztest selbstverständlich be-achtet wurde. Von Öko-Test wird diese erforderliche Differenzierung nicht nur nicht vorgenommen – die „Garantieleistung“ erhält sogar eine einseitige und nicht angemessene Übergewichtung als Bewertungskriterium.

6. Regulierte Pensionskassen verwenden grundsätzlich sogenannte Sanierungsklauseln. Danach ist es bereits zum Ausgleich von Fehlbeträgen (und nicht erst im Konkursfall) möglich, Leistungen herabzusetzen oder die Beiträge zu erhöhen. Bei regulierten Pensionskassen kann insofern nicht von garantierten Leistungen gesprochen werden. Der Vergleich mit den garantierten Leistungen deregulierter Kassen ist auch insofern nicht korrekt. Die Wettbewerbspensionskassen sind zudem im Gegensatz zu den regulierten Pensionskassen Mitglied im Sicherungsfonds Protektor.

7. Die regulierten Pensionskassen verwenden daneben -  anders als die Wettbewerbspensionskassen -  meist keine gesonderten Einzel-, sondern Gruppentarife. Denn Entgeltumwandlung stellt bei ihnen meist kein Kerngeschäft dar, sondern ist regelmäßig Annex an die arbeitgeberfinanzierte Versorgung ganzer Belegschaften. Bei der Versicherung kompletter Arbeitnehmergruppen wird wegen fehlender Selektionseffekte mit geringeren Lebenserwartungen gerechnet. Wettbewerbspensionskassen verwenden demgegenüber gesonderte Entgeltumwandlungstarife, die die jeweiligen Selektionseffekte mathematisch korrekt berücksichtigen. Auch dadurch hinkt der Produktvergleich.

8. Die 23 Wettbewerbspensionskassen haben seit ihrer Gründung im Jahre 2002 mehr als 3 Millionen Arbeitnehmer für die zusätzliche Altersversorgung gewonnen. Die „Testsieger“ haben dagegen nur sehr wenige Versicherte: Die Selbsthilfe Pensionskasse hat nur etwa 13.000, die Dresdner Pensionskasse rund 11.000, die PKDW 52.000 und die Kölner Pensionskasse 17.000 versicherte Anwärter. Der Grund liegt im Verzicht auf individuelle Beratung und Vertrieb. Sozialpolitisch ist dies jedoch kein Vorteil, sondern ein Nachteil, da ohne Vertrieb bzw. individuelle Kundenansprache kein nennenswerter Beitrag für die Verbreitung von mehr Eigenvorsorge geleistet werden kann.

Durch das Zusatzkriterium der „Flexibilität“, d. h. positiv werden Tarife ohne Einrechnung einmaliger Abschlusskosten bewertet, werden regulierte Pensionskassen erneut einseitig begünstigt. Abgestraft werden dagegen diejenigen Pensionskassen, die mittels ihrer Vertriebskraft den größten Beitrag zur Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung seit der Riester-Reform geleistet haben. Dabei ist das Bemühen um neue Kunden ein in einer Marktwirtschaft gleichsam normaler wie wichtiger Vorgang, der nicht gering geschätzt werden darf.

Vollständig fehlt in der Betrachtung von Öko-Test dagegen das zwischen den deregulierten Pensionskassen und den Lebensversicherern geschlossene Übertragungsabkommen. Es ermöglicht den Wechsel zu einer anderen Pensionskasse oder Direktversicherung unter Anrechnung der angefallenen Abschlusskosten, d. h. ohne Nachteil. Die Flexibilität zum Arbeitgeberwechsel wird so hergestellt, ohne dass auf die für die hohe Verbreitung der Vorsorge erforderliche Möglichkeit der Finanzierung einer Außendienstunterstützung verzichtet werden muss.

9. Die von Öko-Test behaupteten „Biometriekosten“ gibt es bei Rentenversicherungen nicht. Sie sind tatsächlich eine wegen der unvollständigen bzw. fehlerhaften Analyse erfundene Hilfsgröße des von Öko-Test beauftragten Versicherungsmathematikers Axel Kleinlein (Büro für Versicherungs- und Finanzmathematik „math concepts“).

Bemerkenswert ist, dass Kleinlein bereits zu seiner Zeit als Projektleiter bei Finanztest im Jahr 2002 durch Einrechnung nicht existenter Zusatzkosten Riester-Rentenversicherungen abgewertet und damit, so seinerzeit der Tagesspiegel, „für den größten Fauxpas in der Geschichte der Stiftung Warentest gesorgt“ hat . Das betreffende Testheft musste von Finanztest zurückgerufen werden.

Fazit

Öko-Test hat den Test fehlerhaft und einseitig so konzipiert, dass die vorsichtiger und mit individuellen Beratungsangeboten arbeitenden Wettbewerbspensionskassen schlechter abschneiden mussten. Mit dem Test stellt Öko-Test sowohl seine fachliche Seriosität als auch Unabhängigkeit in Frage.

PS:

ich bin gespannt, wie es in dem Drama weiter geht!

Ihr

Siegmar Bührle

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