Gesetzliche Krankenkassen fusionieren
24. September 2008 von Versicherung vergleich
Die umstrittene Gesundheitsreform erzwingt von den gesetzlichen Krankenkassen spektakuläre Fusionen. In Zukunft ist für eine gesetzliche Krankenkasse die Größe ein entscheidender Maßstab für den Erfolg der Krankenkasse. Die Techniker Krankenkasse und die IKK Direkt wollen es, die Kaufmännische Krankenkasse und Betriebskrankenkasse Allianz wollen es tun – alle wollen, oder müssen, Fusionieren.
Rasant nimmt das Fusionskarussell auf dem Markt der gesetzlichen Krankenversicherung Fahrt auf. Der Grund liegt in der Einführung des Gesundheitsfonds, der zum 1. Januar 2009 kommt. Die große Geldsammelstelle für die Beitrags- und Steuereinnahmen der gesetzlichen Krankenkassen erhöht den Konzentrationsdruck auf den Krankenkassenmarkt. Für die Fusionen gibt es um wesentliche zwei Ursachen.
Erstens wird durch die Einführung des Gesundheitsfonds den Billigkrankenkassen das Geschäftsmodell entzogen, da künftig ein einheitlicher Beitragssatz gesetzlich gilt. Dies trifft im Wesentlichen die Betriebskrankenkassen, in bis dato hier wesentlich günstigere Beitragssätze angeboten haben. Die Betriebskrankenkassen konnten dies bei gleicher, gesetzlich vorgeschriebener Leistung tun.
Der zweite Grund liegt darin, dass der künftige Wettbewerb unter den gesetzlichen Krankenversicherungen insbesondere im Bereich der individuellen Zusatzleistungen und Zusatzangeboten entschieden wird. Hier haben Versicherungen, die einen größeren Kundenstamm haben, eine wesentlich bessere Basis. Mit der Marktmacht großer Versicherten im Hintergrund können diese Gesellschaft Leistungen über Selektivverträge mit Ärzten, Krankenhäusern, Pharmaherstellern, etc. abschließen und somit wesentlich günstiger Einkaufen. Dies bietet dann auch den gesetzlichen Krankenkassen, flexible Wahltarife zu gestalten.
Unter diesem Hintergrund versuchen aktuell günstige Billigkassen nach starken Partnern. Starke Krankenversicherungen versuchen ebenfalls Ihre Substanz noch weiter zu stärken um in dem Spiel nicht unterzugehen. Das neue Motto heißt: „Big ist beautyful“.
Die Allianz Krankenversicherung
Die interessanteste Fusion ist aktuell sicherlich der Zusammenschluss der Kaufmännischen Krankenkasse mit der BKK Allianz. Hinter der BKK Allianz steht schließlich der Allianz- Konzern, der wiederum einer der größten Anbieter von privaten Krankenversicherungen ist. So gibt es nun aus einem Hause sowohl eine gesetzliche Krankenversicherung wie auch eine private Krankenversicherung, wobei die Leistungen sich im Detail sicher deutlich unterscheiden werden.
Nach Einschätzungen von Experten sollen von den aktuell rund 200 gesetzlichen Krankenversicherungen nur noch rund 30 bis 50 Versicherungsgesellschaften übrig bleiben. Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Konzentration nicht zu Lasten eines nicht mehr funktionierenden Wettbewerbs führt.
PS:
Da sich im Bereich der privaten Krankenversicherung auch einige Änderungen abzeichnen, werde ich dieses Thema in zukünftigen Artikel aufgreifen.
Ihr
Siegmar Bührle
relevante Links:
- Angebote Krankenzusatzversicherung (… für gesetzlich Krankenversicherte)
- Angebot private Krankenversicherung (… für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte, Studenten, Selbstständige, etc.)
Ähnliche Beiträge:
- Krankenkassen erheben vorerst keine Zusatzbeiträge
- Krankenversicherung wechsel nicht überstürzen
- Artikelserie Vergleich gesetzliche und private Krankenversicherung (5) – Leistungen im Krankenhaus
- Gesetzliche Krankenversicherung wird teurer – Kabinett beschließt Einheitsbeitrag
- Die Gesundheitsreform nähert sich – Änderung der Krankenversicherung

Wo führt das hin wenn sich alles mit allem zusammentut? irgendwann hat man gar keine Wahl mehr.
@pkv: Da ist sicher was dran – wobei ich denke, wenn zwischen 30 – 50 Krankenversicherungsgesellschaften übrig bleiben, dürfte das für einen Wettbewerb reichen.
Viele freiwillig Versicherte, die keine Lust auf Regulierung mehr haben, werden sicher früher oder später sich für eine private Krankenversicherung entscheiden. Ich denke, dass es sich auf jeden Fall lohnt, den Markt weiters genau zu beobachten.